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Berufspendler – abgeklärt oder gesundheitsgefährdet?

Gleich drei aktuelle Untersuchungen beschäftigten sich aktuell mit der Gruppe der Berufspendler – mit sehr unterschiedlichen Schwerpunkten und Ergebnissen.

Für den aktuellen Mobilitätsreport der Jobbörse Stepstone wurden rund 24.000 Fach- und Führungskräfte befragt. Demnach ziehen zwei von drei Berufspendlern das Auto eindeutig öffentlichen Verkehrsmitteln vor. Nur 18 Prozent der Pkw-Pendler konnten sich einen Umstieg auf Bus und Bahn vorstellen. Gründe gegen den ÖPNV sind zu lange Fahrtzeiten oder die ungenügende Flexibilität, die Kosten spielten nur für fünf Prozent der Befragten einer Rolle.

Jeder zweite Befragte hielt zudem eine durchschnittliche Fahrtzeit von bis zu einer Stunde pro Strecke für akzeptabel. Tatsächlich ist die Hälfte der Pendler pro Weg mindestens 30 Minuten unterwegs, fast ein Drittel braucht dafür sogar bis zu 60 Minuten. Trotzdem gaben insgesamt 62 Prozent an, dass sie mit der Dauer ihres Arbeitsweges zufrieden sind. Ergänzend ergab eine aktuelle Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), dass die mittlere Pendeldistanz zwischen 2000 und 2014 von 8,7 auf 10,5 Kilometer und damit um 21 Prozent gestiegen ist - dabei pendeln Beschäftigte mit hohem Bildungsabschluss und komplexen Tätigkeiten am weitesten.

Zwar bemängelt im Mobilitätsreport jeder Fünfte seine tägliche Fahrtzeit, nimmt sie aber trotzdem in Kauf. Ein Jobwechsel aus diesem Grund käme nur für eine von zehn Fachkräften in Frage. Häufiger ist der umgekehrte Fall: Mehr als jeder Vierte würde für den Job umziehen, wenn der Standort des Arbeitgebers attraktiv wäre. 39 Prozent schlossen einen beruflich bedingten Umzug aber auch kategorisch aus. Die Entscheidung steht öfter an, als man denken mag: Jede zweite Fachkraft hat schon mindestens einmal den Wohnort für den Job gewechselt.

Kaum Beachtung finden hingegen die gesundheitlichen Auswirkungen des täglichen Pkw-Pendelns, die die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) untersucht hat. Demnach leidet die Work-Life-Balance nach Aussage der Befragten umso mehr, je größer der tägliche Zeitaufwand ist.

Typisch sind zudem Kopf-, Nacken- und Schulterschmerzen beim Fahren sowie Erschöpfung und Schlafstörungen, die sich eher im häuslichen Bereich bemerkbar machen. Als verstärkende Faktoren wurden Termin- und Leistungsdruck im Job identifiziert, wenn die Beschäftigten nicht selbst ihre Zeit gestalten können.

Quellen der Angaben:

Mobilitätsreport, IAB-Studie "Berufliches Pendeln zwischen Wohn- und Arbeitsort", Faktenblatt der BAuA "Pendeln und gesundheitliche Beschwerden"