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Digitales Potenzial älterer Arbeitnehmer nutzen

Sie sind noch keine Rentner und doch gelten sie als alt. Welches Potenzial sich aus Mitarbeitern jenseits der 50 Jahre für Unternehmen ergibt, hat die Studentin Denise Schmidt im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit an der Rheinischen Fachhochschule Köln erarbeitet.

Im Zeitalter des demografischen Wandels wird das digitale Potenzial älterer Mitarbeiter zunehmend wichtiger, lautet die These der jungen Wissenschaftlerin aus dem Fachbereich der Wirtschaftspsychologie an der Rheinischen Fachhochschule. Für ihre Arbeit hat sie sechs mittelständische und große Firmen interviewt sowie insgesamt 165 weitere Probanden befragt und die Ergebnisse evaluiert. Ihr Fazit: Es empfiehlt sich, Konzepte smarter Arbeit, insbesondere flexible Arbeitszeiten und -orte sowie Home-Office-Angebote, in die Arbeitsprozesse zu integrieren.

In vielen Unternehmen liegt das Durchschnittsalter zwischen 43 und 50 Jahren. Damit gilt die Belegschaft bereits als überaltert. Dieser Trend halte an, stellte Schmidt in ihrer Untersuchung fest. Hinzu komme, dass allein durch den demografische Wandel bis zum Jahr 2030 sechs Millionen Arbeitnehmer dem Arbeitsmarkt fehlen werden. Deshalb sollten Unternehmen umdenken, um den Anschluss an die Märkte nicht zu verlieren. Schmidt sieht in der Digitalisierung ein großes Potenzial. 80 Prozent der mittelständischen Firmen sind ihren Angaben zufolge bereits online. „Eine gute digitale Ausstattung sorgt für die technologische Bestandssicherung der Unternehmen und für deren marktpolitisches Reaktionsvermögen. Der damit einhergehende Anpassungsdruck ist erheblich“, sagt Prof. Harald F. Ross, der die Arbeit von Denise Schmidt betreut hat.

Die junge Wissenschaftlerin stellte fest, dass die Lernbereitschaft der älteren Mitarbeiter, vor allem jenseits der 50, größer ist, wenn in ihrem Unternehmen die Bedeutung der digitalen Märkte verdeutlicht wird. „Die Ziele und Auswirkungen sowie die Chancen und Risiken des digitalen Zeitalters sollen im Unternehmen daher offen und transparent kommuniziert werden“, schreibt sie. Altersunterschiede hinsichtlich der Lernbereitschaft digitaler Kompetenzen gebe es laut ihrer Studie grundsätzlich keine. Bei der digitalen Fitness unterscheiden sich ältere Mitarbeiter allerdings bezüglich der Geschwindigkeit, neue Technologien zu erlernen, heißt es in ihrer Arbeit weiter.

Die vorliegende Studie bestätigt die ökonomische Notwendigkeit einer digital qualifizierten Generation 50plus. Mit ihrer digitalen Leistungsfähigkeit stütze sie im zunehmenden Maße die Wettbewerbsfähigkeit der Gesamtwirtschaft. Zwar sei die Generation 50plus nicht mit der Digitalisierung groß geworden, sie sei aber zunehmend gezwungen, sich aus beruflichen Gründen intensiv mit neuen Technologien auseinanderzusetzen. „Das Konzept des lebenslangen Lernens und der permanenten Qualifizierung trägt zur Motivation und Aufrechterhaltung der Lernbereitschaft bei“, zeigt sich Prof. Ross überzeugt.

Was sich ohne explizite Untersuchung aus der Studie der Studentin ableiten lässt, ist das Verhältnis der älteren Generation zur digitalen Technik. Schließlich werden Senioren auch nach ihrem Berufsalltag zunehmend mit smarten Technologien konfrontiert. So können Handys den Blutdruck messen oder Roboter im Haushalt helfen. Es wird viel daran gearbeitet, wie unser Alltag durch smarte Technik erleichert werden kann, vor allem im Alter. Wer also schon im Job damit konfroniert wurde, für den ist es im Ruhestand nicht schwer, sich darauf einzulassen und seinen Alltag zu bereichern. Zu diesem Schluss kommen etwa der digitale Branchenverband Bitkom, der im letzten Jahr eine entsprechende Studie über das Nutzungsverhalten von Senioren mit der digitalen Technik herausgebracht hat, oder die Service Gesellschaft der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO).