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Ein sicherer Tausch: Führerschein gegen Busticket

Immer wieder kommt dieses Thema auf den Tisch: Ältere Menschen sollten sich irgendwann überlegen, den Führerschein und das eigene Auto abzugeben - spätestens bei Wahrnehmungsproblemen oder körperlichen Einschränkungen, die sich auch die Reaktionen am Steuer auswirken könnten. In einigen Gemeinden gibt es jetzt einen besonderen Anreiz dafür: Wer seinen Führerschein abgibt, erhält dafür ein kostenloses Bus-Jahresticket.

Die Aktion ist freiwillig, wie etwa die Stadt Kaufbeuren betont, die ihren Senioren dieses Angebot macht. Zur Führerscheinabgabe solle niemand gezwungen werden. Aber das Angebot soll all denen einen Anreiz bieten, auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen, die sich zunehmend unsicher hinter dem Steuer fühlen.

Auch in Kiel versuchte sich der Seniorenbeirat darin, dem Rat einen solchen Vorschlag zu unterbreiten. Dieser aber sah sich noch nicht zu einer Entscheidung in der Lage und will zunächst weiter darüber beraten. Der Vorschlag in der schleswig-holsteinischen Gemeinde ist nicht neu: Bereits Ende der 1990er Jahre wurde ein solches Tauschangebot eingeführt, 2005 aber mangels Nachfrage und weil sich die umgebenden Kreisgemeinden nicht über Ausgleichszahlungen einigen konnten, wieder eingestellt.

Die Gründe, warum ältere Menschen ihre Fahrtüchtigkeit überdenken sollten, sind gemeinhin bekannt. Sehkraft und Reflexe lassen nachweislich im Alter nach. Wie die Kieler Nachrichten den Vorsitzenden des Seniorenbeirates Jürgen Klagge zitieren, seien Senioren in den letzten zwei Jahren zu 21 Prozent an Unfällen im Straßenverkehr beteiligt gewesen. Mit steigendem Alter steige das Risiko, als älterer Mensch einen Unfall zu verursachen. Ab 75 Jahren seien bei drei von vier Unfällen Senioren die Schuldigen - aus oben genannten Gründen.

In Bayern und NRW gibt es bereits einige Städte, die Senioren im Gegenzug zu ihrer Führerscheinabgabe ein kostenloses Ticket für Bus und Bahn aushändigen. Im Landkreis Deggendorf erhalten Senioren das Ticket für unbestimmte Zeit, im mittelfränkischen Fürth lediglich einen Gutschein für drei Monate. Beide sprechen von einem „Erfolgsmodell“. In Oberbayern aber stößt das Angebot auf geringere Resonanz. In München scheiterte ein schon im Jahr 2014 eingebrachter entsprechender Vorschlag am Widerstand des Seniorenbeirates im Münchener Stadtrat. Dieser sprach von Diskriminierung der Alten, obwohl auch dort von einem freiwilligen Angebot die Rede war.

Alternativen für mehr Verkehrssicherheit

Die Verkehrswachten der Deutschen Verkehrswacht bieten älteren Menschen zum Beispiel die Möglichkeit, mit erlebnisorientierten Lernformen, in Tests und praxisnahen Übungen die eigenen Probleme der Verkehrsteilnahme aus einer anderen Sicht zu sehen und Lösungen zu finden. So bieten Verkehrssicherheitstage für Senioren die Gelegenheit, das eigene Leistungsvermögen unverbindlich zu testen. Bei Seh- und Reaktionstests können die Senioren ihre Fähigkeiten überprüfen. Die dafür angewandten Reaktionstestgeräte zeigen, wie lang der Anhalteweg vom Erkennen der Gefahr bis zum Stillstand des Fahrzeugs ist. Auch mit Fahrsimulatoren wird gearbeitet. Darin können die Senioren erfahren, wo ihre individuellen Leistungsgrenzen liegen.