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Emotionen im Alter

Gefühle verändern sich im Laufe des Lebens. Wie sich dies auf das Leben im Alter auswirkt, damit haben sich Psychologen beschäftigt. Ihre Ergebnisse stellen sie auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie an der Universität Leipzig vor.

Gefühle und emotionale Kompetenzen haben über das ganze Leben hinweg wichtige Funktionen. Sie beeinflussen das Zusammenleben mit unseren Mitmenschen und geben uns schnelle Orientierung. Aus der Forschung ist bekannt, dass sich sehr viele geistige und körperliche Funktionen im Laufe des Lebens verändern. Wie aber verändern sich unsere Gefühle und unsere Art und Weise, mit ihnen umzugehen? Verändern sich unsere Gefühle überhaupt - und wenn ja, in welchen Bereichen? Antworten geben Psychologen in Leipzig zwischen dem 18. und 22. September.

„Entwicklung ist über die gesamte Lebensspanne bis ins hohe Alter hinein möglich“, sagt Ute Kunzmann, die als Entwicklungspsychologin an der Universität Leipzig zur Psychologie der Lebensspanne forscht. „Das beinhaltet auch, dass zu jedem Zeitpunkt im Leben neue Prozesse beginnen können, dass jeder Einzelne Reserven hat und sein Verhalten veränderbar ist.“ Entwicklungspsychologen wie Ute Kunzmann erforschen Emotionen und wie sie mit motivationalen, sozialen und kognitiven Prozessen zusammenhängen. Dabei gehen sie davon aus, dass die emotionale Entwicklung von der Jugend bis ins hohe Alter hinein einem Prozess unterliegt, der zu jedem Zeitpunkt im Leben gleichzeitig Gewinne und Verluste umfasst. Wie etliche aktuelle Studien zeigen, entwickeln sich Emotionen wie Ärger und Traurigkeit in unterschiedliche Richtungen. Beispielsweise erleben ältere Menschen seltener Emotionen wie Ärger, Feindseligkeit oder Verachtung. Jüngere sind diesen Gefühlen stärker ausgesetzt.

Und noch etwas fanden die Wissenschaftler heraus: Ältere können zwar weniger gut die Gefühle anderer Menschen erkennen und benennen, auf der anderen Seite fällt es ihnen leichter, die Gefühle anderer nachzuempfinden. Dadurch bringen sie in vielen Situationen mehr Mitgefühl für ihre Mitmenschen auf als etwa junge Erwachsene. Diese emotionalen Aspekte der Empathie spielen für das soziale Miteinander eine entscheidende Rolle und sind vermutlich einer der Gründe für die hohe Beziehungszufriedenheit, die gerade im Alter berichtet wird, stellen die Forscher fest.

Auf dem Leipziger Kongress wird dem Thema „Emotion and Aging“ eine eigene Veranstaltung eingeräumt. Dabei kommen international tätige Wissenschaftler zusammen und diskutieren neueste Forschungsergebnisse. Darunter ist auch der renommierte Alternsforscher Robert W. Levenson von der Berkeley University of California. Er forscht zum Beispiel zu Unterschieden zwischen alterstypischen psychischen Veränderungen und solchen aufgrund von neurodegenerativen Krankheiten wie Demenz. Seine bisherigen Studien zeigen, dass in Abhängigkeit von der konkreten Erkrankung und dem damit zusammenhängenden Muster der Neurodegeneration sehr unterschiedliche Muster von Veränderungen in sozialen und emotionalen Funktionen auftreten. In seinem Keynote-Vortrag stellt er die Ergebnisse seiner Arbeiten vor und beantwortet die Frage, welche Folgen alterstypische und pathologische Veränderungen für den alternden Menschen und sein soziales Umfeld, insbesondere in der Partnerschaft, haben.

Weitere Informationen zum Kongress: www.dgpskongress.de