Drei SoziologInnen der Universitäten München, Konstanz und Nijmegen befragten mehr als 1.600 in Deutschland wohnende Personen dazu, als wie gerecht sie die Bruttolöhne verschiedener fiktiver ArbeitnehmerInnen empfanden. Der Befragung wurden ebenfalls fiktive Lebensläufe zu diesen „ArbeitnehmerInnen“ mit Informationen zu Geschlecht, Alter, Beruf und Ausbildung der „Arbeitnehmer“, in einigen Fällen auch zur Berufserfahrung und zur Kinderzahl beigefügt, die die Befragten zur Bewertung der Bezahlung auf einer elfstufigen „Fairness-Skala“ heranziehen konnten. Es wurden mehr als 26.000 Bewertungen erhoben.
Die ForscherInnen stellten erstaunt fest, dass das Geschlecht bei der Fairness-Bewertung unabhängig von den übrigen Merkmalen eine signifikante Rolle spielte. Männer galten den Befragten unabhängig von deren eigenem Geschlecht tendenziell als unterbezahlt, Frauen als überbezahlt. Der für Frauen als gerecht empfundene durchschnittliche Lohn lag nur bei 92 Prozent des Wertes für identisch qualifizierte Männer.
Die AutorInnen der Studie bewerten dieses Ergebnis als „klaren Hinweis auf Diskriminierung“. Offenbar werde es geschlechterübergreifend als gerecht empfunden, dass Männer mehr als Frauen verdienen, das Geschlecht also einen eigenen, bezifferbaren „Statuswert“ beim Gehalt besitzt. Es wurde auch festgestellt, dass TeilnehmerInnen, die in Branchen mit großem Gender Pay Gap arbeiteten, den überdurchschnittlichen Abstand generell als fair einschätzten. Aktuell beträgt der Gender Pay Gap in Deutschland 21,3 Prozent (Differenz der durchschnittlichen Bruttostundenverdienste von Frauen und Männern, Wert des WSI für 2014).
Die komplette Untersuchung findet sich unter: Katrin Auspurg, Thomas Hinz, Carsten Sauer: Why Should Women Get Less? Evidence on the Gender Pay Gap from Multifactorial Survey Experiments, American Sociological Review 1/2017