Der Studie lag ein Echtfall zugrunde: Eine Forschungsabteilung einer Universität hatte 140 Hilfskräfte einen halben Tag lang Geschäftsberichte auswerten und archivieren lassen. Zunächst hatte man sich hiervon einzigartige Erkenntnisse erwartet, die Ergebnisse waren jedoch so schwach, dass das Projekt schließlich abgebrochen und das Archiv aufgelöst wurde. Eine Woche nach Projektende wurden die Hilfskräfte zu einer Onlinebefragung eingeladen. Dabei wurden die Probanden zufällig einer der folgenden drei Gruppen zugewiesen:
- Der ersten Gruppe wurde nochmals darauf hingewiesen, dass sie an einem wichtigen Projekt mitgewirkt hatten, ihnen wurde nichts über den Projektabbruch mitgeteilt.
- Der zweiten Gruppe wurde eröffnet, dass ihre Arbeit weitgehend sinnlos gewesen sei, da die gewonnenen Daten nur auf geringes Interesse stießen.
- Der dritten Gruppe wurde mitgeteilt, dass der ursprüngliche Zweck zwar nicht erreicht wurde, die gewonnenen Daten aber für ein anderes Forschungsprojekt nutzbar seien.
Im ersten - bezahlten - Abschnitt der Befragung wurde das emotionale Befinden der Probanden erfragt. Danach sollten sie eine Reihe monoton formulierter Fragen für andere Forschungsprojekte beantworten. Diesen zweiten Teil konnten die Teilnehmer ohne Nachteile für sich jederzeit abbrechen.
Es stellte sich heraus, dass die Gruppe 2, der der Sinn ihrer Arbeit abgesprochen worden war, wesentlich weniger freiwillige Aufgaben löste als die anderen beiden Gruppen - ihr war trotz des zeitlichen Abstands zum Ausgangsprojekt offenbar die Motivation abhandengekommen. Gleichzeitig waren ihre Werte an negativen Emotionen gegenüber dem Ausgangsprojekt signifikant höher als die der anderen beiden Gruppen - auch hier unterschieden sich die Gruppen 1 und 3 deutlich weniger voneinander.
Die Forscher schlossen daraus, dass die Vermittlung einer Sinn-Alternative eine wichtige Chance für Führungskräfte ist, die Motivation ihrer Mitarbeiter auch nach gescheiterten Projekten zu erhalten.
Die komplette Studie finden Sie hier: Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH)