Auch Demente lachen, weinen, lieben, sind traurig oder verstimmt, mal stark, mal schwach, müde oder hellwach. So wie jeder andere auch. Deshalb dürfen sie nicht ausgegrenzt werden. Genau dafür wirbt die vom Land und den Pflegekassen geförderte Kampagne "Mensch. Auch mit Demenz" der Landesinitiative Demenz-Service NRW im Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA).
„Wir dürfen Menschen mit Demenz nicht abstempeln. Die Kampagne nutzt bewusst das Bild des Abstempelns, um daraus ins Positive gewandelt ein Zeichen der Solidarität mit Demenzbetroffenen zu machen“, erklärt NRW-Ministerin Barbara Steffens, die zum Start der Aktion selbst mit einem Stempel im Gesicht auftrat. Mithilfe der Kampagne sollen Menschen dazu bewegt werden, sich intensiver mit Demenz auseinanderzusetzen. „Wir wollen das Thema aus der Ecke, aus der Tabuzone holen. Menschen mit Demenz gehören in die Mitte der Gesellschaft. Dazu müssen wir Vorbehalte abbauen und einen angemessenen Umgang mit den Betroffenen lernen“, so Steffens weiter. Erst wer sich mit ihnen auseinandersetze, verstehe, auf welche Weise auch demente Menschen glücklich sein können.
Dem Kuratorium Deutsche Altershilfe zufolge leben in Nordrhein-Westfalen zurzeit etwa 320.000 Menschen an einer Form der Demenz. Bis zum Jahr 2030 wird sich diese Zahl auf rund 450.000 erhöhen, so zumindest lauten die allgemeinen Hochrechnungen. Trotz dieser alarmierenden Zahlen führt das Thema Demenz in unserer Gesellschaft bisher ein Schattendasein. Obwohl viel über Themen rund um Demenz informiert wird, fehlt es offenbar trotzdem an Aufklärung in der Bevölkerung. Die Berührungsängste sind groß. Auch deshalb fühlen sich Angehörige und die an Demenz erkrankten Personen an den Rand der Gesellschaft gedrängt.
Im Rahmen der landesweiten Informationskampagne "Mensch. Auch mit Demenz" werden Fotos von Menschen mit einem Stempel auf Stirn oder Wange gezeigt, der positive Aussagen über die Person beinhaltet und die man zunächst nicht mit Demenz verbindet. Auf diese Weise soll das Menschsein des Erkrankten in den Mittelpunkt gerückt werden. Damit auch möglichst viele Menschen von der Aktion erfahren, gibt es Werbung im öffentlichen Personennahverkehr, Plakataktionen und Tanzflashmobs in verschiedenen Städten des Landes. Auch Arztpraxen und Apotheken werden in die Aktion eingebunden. Dort liegt etwa Informationsmaterial zum Mitnehmen aus.
Erkrankt ein Mensch an Demenz, stellt dies Betroffene und Angehörige vor große Herausforderungen. Menschen mit Demenz gelten als schwierig und gehören plötzlich nicht mehr dazu. Ausgrenzung und Isolation sind jedoch keine Lösung. Für die Betroffenen bedeuten sie eine enorme Einschränkung ihres Lebens, die nicht selten zu einer Verschlechterung der Symptome führt. „Die Gesellschaft ist hier gefordert, wir alle stehen dazu in Verantwortung. Gehen wir offen auf Menschen mit Demenz zu und nehmen wir sie so an, wie sie sind. Damit tragen wir dazu bei, dass Menschen mit Demenz ein lebenswertes Leben in unserer Gesellschaft führen können“, appelliert Prof. Dr. Schulz-Nieswandt, Vorstandsvorsitzender des Kuratoriums Deutsche Altershilfe e.V.