Viele Bürger sind verunsichert, ob wirklich alle Menschen in deutschen Pflegeeinrichtungen qualitativ gut versorgt werden. Dies geht aus einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) hervor. Dazu befragten Wissenschaftler in einer anonymen Befragung etwa 20.000 Bürger.
Danach sind fast 70 Prozent der Befragten der Meinung, dass die Pflegequalität von Einrichtung zu Einrichtung stark variiere. Von denjenigen, die vermuten, dass häufig erhebliche Mängel in der Qualität professioneller Pflegeangebote vorkommen, macht die große Mehrheit (71 Prozent) fehlendes Personal und daraus resultierende Arbeitsüberlastung als Hauptursache für die Missstände verantwortlich.
Persönliche Zuwendung sehen die Befragten größtenteils nicht und wünschen sich gerade in diesem Bereich Verbesserung. Den Beschäftigten in den Heimen müsste mehr Zeit für die zwischenmenschliche Komponente zur Verfügung stehen. Immerhin halten dies 85 Prozent der Befragten für wichtig.
Auch die Medikamentensicherheit, für 74 Prozent wichtig, die Hygiene, die 63 Prozent als wichtig erachten, sowie das Schmerzmanagement gehören zu den Dingen, die sich Angehörige von den Heimen wünschen. Pflegeheime haben zumindest vordergründig darauf reagiert und veröffentlichen ihre Qualitätsstandards und auch Bewertungen. Doch darauf verlassen wollen sich die wenigsten, die von den Wissenschaftlern des ZQP befragt wurden.
Nur fünf Prozent der Befragten gab an, dass sie den offiziellen Bewertungen Glauben schenken würden. Ebenso schlecht kamen die offiziellen Pflegenoten weg. Jeder Zweite hält dieses Notensystem für nicht ausreichend, um die Qualität einer Pflegeeinrichtung zu beurteilen. "Unsere Ergebnisse untermauern, dass wir Pflegebedürftige und ihre Nächsten, aber auch die in der Pflege Tätigen bei der Darstellung von Pflegequalität mehr als bisher ernst nehmen müssen. Transparenzversprechen dürfen keine Mogelpackung sein. Der derzeit laufende Reformprozess ist eine Chance, nun ein belastbares Bewertungs- und Darstellungssystem zu liefern. Es ist zugleich eine Pflicht, den Nutzern, aber auch den Erbringern von Pflegeleistungen aus einer Vertrauenskrise in das Transparenzsystem zu helfen.", erklärt Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP.
Die Studie zeigt außerdem, wem die Bürger am meisten bei der Wahl eines Pflegeanbieters vertrauen: Dazu stehen die Erfahrungen von Pflegebedürftigen und deren Angehörigen, also Informationen aus erster Hand, an oberster Stelle. 53 Prozent der Befragten gaben an, sich lieber auf deren Erfahrungen zu verlassen als auf Ampel- oder Notensysteme. Weiter würden sie sich gerne selbst einen Eindruck von der Einrichtung verschaffen.
Personen, die bereits Erfahrungen mit Pflege gemacht haben, betrachten dies sogar als das wichtigste Kriterium für die Entscheidungsfindung. "Wir dürfen nicht den Eindruck erwecken, Qualitätseinschätzung sei vorrangig ein von oben verordnetes Expertenthema. Die Menschen wollen sich selbst überzeugen, soweit sie selbst die Möglichkeit dazu haben. Dabei müssen wir sie stärken. Pflegeberatung und verbraucherorientierte Hilfen wie etwa die Ratgeber unseres Instituts können dabei unterstützen." kommentiert Suhr.