So mancher Senior könnte noch eine Weile autark in seinen eigenen vier Wänden leben, wenn er Rehaleistungen bewilligt bekäme. Doch die Realität sehe anders aus, schreibt das Berliner Gesundheitsportal und beruft sich dabei auf den Vorstandschef der Johannesbad-Gruppe, Dr. York Dhein.
Das Prozedere sieht so aus: Patienten müssen bei ihrem behandelndem Arzt nach einer Rehamaßnahme fragen. Befürwortet der Mediziner dies, beantragt er die Maßnahme. Dhein empfindet den Vorgang als kompliziert, viele Anträge würden abgelehnt. Zudem würden solche Maßnahmen für Rentner seltener bewilligt als für Menschen, die noch fest im Berufsleben stehen eher der Fall.
Nicht zuletzt müsse auch die Reha-Branche umdenken, wird Dhein in dem Bericht zitiert. Viele Kliniken lägen in eher ländlichen Gebieten. Dhein plädiert für mehr ambulante Möglichkeiten, die wohnortnah zu erreichen sind. Die Reha müsse zu den Menschen gebracht werden. So sieht es auch die Gesellschaft für Geriatrie, die gleichermaßen für mobile Angebote plädiert. So könnten Senioren in Heimen oder zu Hause besucht werden. Anwendungen, die sonst eher stationär erfolgten, können so zu Hause in Anspruch genommen werden.
Bislang gebe es etwa 20 solcher mobiler Standorte in Deutschland. Auch die Deutsche Rentenversicherung plädiert für ambulante Maßnahmen und titelt auf ihrer Webseite „Tagsüber zur Therapie, abends nach Hause“. Allerdings nimmt die Rentenversicherung dabei Arbeitnehmer ins Visier, nicht die Rentner. Fest steht allerdings, dass bei einer ganztägigen Reha alle Indikationen eingeschlossen sind.
Wie Ansgar Veer vom Bundesverband Geriatrie sagt, sei die starke Zunahme der Zahl hochbetagter Menschen von 80 Jahren und älter mit einem Anstieg der Zahl multimorbider alter Patienten verbunden. Diese Menschen weisen seinen Angaben zufolge ein hohes Risiko auf, hilfs-und pflegebedürftig zu werden. „An dieser Stelle kann geriatriespezifische rehabilitative Versorgung einen wesentlichen Beitrag zur Teilhabesicherung hochbetagter Menschen leisten“, so Veer.
Wesentliche Ziele der geriatrischen Rehabilitation seien eine Verhinderung, Verzögerung oder Verminderung von Pflegebedürftigkeit und der Erhalt, die Verbesserung oder die Wiedergewinnung der Selbstständigkeit bei der Bewältigung des Alltags, der selbstbestimmten Teilhabe und der Lebensqualität, insbesondere durch einen möglichst langfristigen Verbleib in der gewünschten privaten Umgebung.