Nach den Zahlen der Deutschen Stiftung Patientenschutz sterben in Deutschland jedes Jahr etwa 925.000 Menschen, mindestens die Hälfte nach meist schwerer Krankheit. Aber nur 30.000 Schwerstkranke hätten die Chance, in einem der 236 stationären deutschen Hospize zu sterben, in denen auf die Pflege und Situation des Sterbens spezialisierte Fachkräfte zur Verfügung stünden. Für die meisten Schwerstkranken bleibe nur ein Platz im Krankenhaus. Etwa 430.000 Patienten erleben ihre letzten Tage in einer Klinik.
Auch Kliniken haben Palliativstationen, doch dort sterben im Vergleich zur Gesamtzahl lediglich 17.000 Menschen. „Für 96 Prozent der Sterbenden in einer Klinik gibt es keine Gewähr, dass in den Sterbestunden eine Fachkraft zur Seite steht, hilft oder einfach nur die Hand hält. Gerade zur Nachtzeit kümmert sich ein Pfleger nicht selten um mehr als 25 Patienten“, heißt es in einer Mitteilung der Stiftung. Eine würdevolle Begleitung in den letzten Tagen sei auf dieser Grundlage nicht möglich.
In deutschen Pflegeheimen sei die Situation noch prekärer. 345.000 Menschen sterben dort jedes Jahr. Das Missverhältnis von Pflegekraft zu Bewohnern sei dort noch größer, prangert die Stiftung an. Viele Einrichtungen setzen deshalb auf die Unterstützung von Ehrenamtlichen. Doch auch da klaffe eine Lücke. Rund 40.000 ehrenamtliche Helfer gibt es. Etwa 50.000 Sterbebegleitungen werden von ihnen geschultert.
Auch wenn jeder ehrenamtliche Hospizdienst je Sterbebegleitung bis zu 2.100 Euro erhalte, wie die Stiftung in ihrer Mitteilung schreibt, sei es illusorisch, weitere 800.000 Ehrenamtliche „aus dem Hut zu zaubern“. Deutschland brauche deshalb dringend mehr professionelle und mobile Palliativteams. Der Anstieg in den letzten Jahren reiche noch nicht aus, so die Stiftung. Heute leisten diese Palliativteams knapp 50.000 Sterbebegleitungen.
Doch bisher gibt es kein wirksames Konzept, jedem Sterbenden die Fürsorge zu garantieren, die er benötigt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass 60 Prozent der Sterbenden in einem Industrieland eine palliative Versorgung benötigen. Die Politik müsse einen verbindlichen Fahrplan für die nächsten zehn Jahre erstellen, Pflege dürfe nicht nur zum Welthospiztag im Mittelpunkt stehen.