Wie die Fachzeitschrift „Ultraschall in der Medizin“ berichtet, hat eine Gruppe von Wissenschaftlern im Rahmen einer Pilotstudie die typischen Gewebeveränderungen in Teilen des Gehirns mithilfe der sogenannten transkraniellen Sonografie sichtbar machen können. Lassen sich die ersten erfolgsversprechenden Ergebnisse an einer größeren Gruppe von Patienten bestätigen, könnte die Ultraschalluntersuchung zur Screening-Methode für eine reihenmäßige Untersuchung ähnlich des Brustkrebsfrüherkennungsprogramms werden.
Erste Symptome der Alzheimer-Krankheit wie Gedächtnisverlust, eine eingeschränkte Auffassungsgabe oder Störung der Orientierung sind schwer zu deuten: Betroffene kompensieren sie zum Beispiel mithilfe von Merkzetteln oder sie verdrängen sie, heißt es in einer Presseerklärung der Fachgesellschaft. Bislang nutzten Ärzte neurophysiologische Tests zur Diagnose. Zusätzlich entnahmen sie Hirnwasser und bestimmten Biomarker, die im Fall einer Alzheimererkrankung verändert sind.
Zwar kommen bereits bildgebende Verfahren etwa mit dem Magnetresonanztomografen zum Einsatz, mit denen man Veränderungen im Hirn feststellen kann, doch sind diese Untersuchungen verhältnismäßig kostspielig. Als Screening-Instrument kommt diese Art der Untersuchung deshalb nicht in Frage. Eine weitere sehr gute Erkennungsquote bietet die nuklearmedizinische Untersuchung PIP-PET. Dabei können Ärzte die für die Alzheimererkrankung typischen Eiweißablagerungen erkennen. Doch diese Untersuchung wird nur an speziellen Zentren und im Rahmen von wissenschaftlichen Studien durchgeführt. Die transkranielle Sonografie könnte deshalb eine gute Alternative darstellen.
Das Wissenschaftlerteam hat dazu 32 Alzheimerpatienten ud 84 gesunde Probanden per Ultraschall untersucht. Dabei erkannten sie deutliche Unterschiede in der Gewebestruktur des Gehirns. Die Resultate, so die Schlussfolgerung, kamen den Ergebnissen, die durch die Magnetresonanztomografie erzielt wurden, sehr nahe. Um die wissenschaftliche Stichhaltigkeit zu belegen, sei es nun notwendig, die Ergebnisse durch größere Studien zu bestätigen. In Zusammenarbeit mit anderen neurologischen Zentren soll nun untersucht werden, inwieweit sich der Ultraschall auch zur Früherkennung von Alzheimer eignet.
Wie wichtig eine Früherkennung wäre, zeigt der Blick auf die Zahlen. Derzeit gelten etwa 1,2 Millionen Personen in Deutschland als demenzkrank, rund 50 bis 70 Prozent davon leiden an „Morbus Alzheimer“. Bislang sind die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt, die Erkrankung muss dafür auch in einem sehr frühen Stadium erkannt werden. Ansatzpunkte der Therapie sind Lebensstil, kognitives Training und Medikamente. Anlass zur Hoffnung geben zudem neue Therapieansätze, die derzeit in der Entwicklung sind, etwa die Immuntherapie zur Vermeidung der Eiweißakkumulationen. Erweisen sich auch diese Ansätze als wirksam, könnte die frühe Diagnose eine wichtige Voraussetzung für den Therapieerfolg sein. Ebenso wichtig sei es, dass Patienten und ihre Angehörigen sich mit der Krankheit so früh wie möglich auseinanderzusetzen, wesentliche zusätzliche Risikofaktoren für ein Fortschreiten der Demenz meiden und aktivierende Therapien in Anspruch nehmen.
Der Hirnultraschall wird bisher bei der Diagnose von Parkinson eingesetzt. „Den Ansatz, die Sonografie auch bei Alzheimer-Demenzen einzusetzen, halte ich gerade als Werkzeug für zukünftige Therapiestudien für vielversprechend“, sagt Professor Dr. med. Martin Köhrmann, stellvertretender Klinikdirektor der Neurologischen Klinik am Universitätsklinikum Essen und Leiter der DEGUM-Sektion Neurologie. „Nicht zuletzt aufgrund der älter werdenden Bevölkerung und der stetig zunehmenden Zahl an Patienten brauchen wir hier eine verlässliche und kostengünstige Diagnostik“, so der Experte. Bislang ist der Ultraschall zur Diagnose von Alzheimer jenen Patienten vorbehalten, die an Studien der Uniklinik Kiel und den kooperierenden Zentren teilnehmen.