Nicht nur Senioren, insgesamt die Hälfte der Bevölkerung versteht nicht, was ihr Arzt ihnen mitteilt. Um das Gesundheitswissen ist es in Deutschland schlecht bestellt. Politiker, Fachleute und Ärzte haben inszwischen auf diesen Missstand reagiert und entwickeln Strategien, dies abzustellen.
Es geht vor allem um Erklärungen und Aufklärungen zum gesundheitlichen Zustand der Patienten, die offenbar, wie die Professorin Doris Schaeffer von der Uni Bielefeld erläutert, von diesen selbst nicht verstanden werden. Die Wissenschaftler befragten 2.000 Menschen. Davon gaben 53,3 Prozent an, die Erklärungen ihres Mediziners nicht zu verstehen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung als Interessenvertretung der Mediziner kam hingegen in einer vergangenen Befragung zu einem anderen Ergebnis. Darin hieß es, dass 92 Prozent der Patienten ihren Arzt gut verstehen. Eine erhebliche Diskrepanz.
Ein Bedarf an gut erklärten Gesundheitsinhalten sei auf jeden Fall vorhanden, sind sich Ärzte, Krankenkassen und Kommunikationsexperten sowie Verbraucherschützer trotz der unterschiedlich ausgefallenen Befragungsergebnisse einig. Deshalb erarbeiten sie nun auch einen Aktionsplan, der im nächsten Jahr vorgestellt werden soll. Die Uni Bielefeld ist daran beteiligt.
Um so früh wie möglich mit Gesundheitsinformationen in Berührung zu kommen, wurde bereits ein Schulfach „Gesundheit“ angedacht, doch diesem erteilte die Politik eine klare Absage. Diese Grundlagen sollen Kitas und Schulen in Zusammenarbeit mit den Krankenkassen schaffen. Die Bundesregierung will ein Gesundheitsportal auf den Weg bringen. Darauf sollen gut verständliche, unabhängige und neutral präsentierte Gesundheitsinformationen abrufbar sein. Im Internet gebe es zwar eine Vielzahl an solchen Informationen, die jedoch oft interessengelenkt und damit nicht ausgewogen seien.
Wichtiger aber noch sei die Nutzung von Gesprächstechniken, mit denen Ärzte verständlicher mit ihren Patienten kommunizieren können. Die Vermittlung von Gesprächskompetenz gehöre ins Medizinstudium. Nichts Neues, an vielen Hochschulen ist dies bereits Gegenstand des Lehrplans. In Heidelberg, Bonn und andernorts lernen die angehenden Mediziner dies in Rollenspielen mit Schauspielern. Dabei wird auch geschult, auf die unterschiedlichen Patientengruppen - etwa Ältere - speziell einzugehen.
Studie: http://www.uni-bielefeld.de/gesundhw/ag6/downloads/Ergebnisbericht_HLS-GER.pdf