Je digitaler und selbstorganisierter die Wertschöpfung erfolgt, desto stärker wandeln sich auch die Anforderungen an die Mitarbeiter – und das Neueinstellungsverhalten der Betriebe. Die Studie konnte zwar keine Abnahme der Beschäftigtenzahlen auf die Digitalisierung zurückführen, wohl aber eine erhöhte Fluktuation bei den Arbeitnehmern und veränderte Qualifikationsanforderungen der Arbeitgeber fest – letzteres ohne erkennbare Lohneffekte.
Wachsender Bereich
Für die Studie wurden Angaben von rund 12.000 Betrieben aus der IAB-Stellenerhebung ausgewertet. 39 Prozent der Unternehmen sehen in der Vernetzung im eigenen Unternehmen einen starken Trend für die kommenden fünf Jahre, bei Vernetzungen mit Zulieferern oder Kunden waren es sogar 41 Prozent. Weniger verbreitet ist hingegen der Einsatz lernender Systeme. Dabei teilten bereits 37 bzw. 40 Prozent der Betriebe mit, bereits in einem Digitalisierungsprozess zu stecken.
Unterschiede beim Digitalisierungsgrad gibt es vor allem bei den verschiedenen Branchen. Am weitesten fortgeschritten ist der Digitalisierungsprozess offenbar in den Sektoren Information/Kommunikation, Finanzdienstleistungen/Versicherungen sowie Maschinenbau/Elektrotechnik/Fahrzeuge. Wenig mit dem Thema zu tun haben hingegen die Bereiche Erziehung und Unterricht, Grundstücks- und Wohnungswesen und das Gastgewerbe.
Kein Personalabbau feststellbar
Die Studie stellt keine erkennbaren negativen Effekte der Digitalisierung auf das Einstellverhalten der Betriebe fest. Vermehrte Abgänge wurden nur in Bereichen mit verstärktem Einsatz lernender Systeme gefunden, hier besteht jedoch gleichzeitig ein erhöhter Fachkräftebedarf, so dass die Personalsituation in Summe nur stärker fluktuiert. Offenbar fällt es den Unternehmen aber auch schwer, die durch die Digitalisierung neu entstehenden Stellen zu besetzen. Hierbei werden neben längerer Erfahrung vor allem sozial-kommunikative und Teamkompetenzen verlangt – klassische Weiterbildungskenntnisse.
Die Studie ergab auch, dass Digitalisierung für die Angestellten auch das Risiko häufigen Termindrucks und häufig wechselnder Arbeitszeiten sowie für Überstunden und Wochenendarbeit bedeutet. Die neuen Gestaltungsmöglichkeiten der Mitarbeiter führen oft auch zu einer stärkeren Vermischung von Beruf und Privatleben. Trotz der insgesamt steigenden Anforderungen und des Mangels an geeigneten Bewerbern sind laut Auswertung (noch) keine spürbaren Erhöhungen der Lohnangebote festzustellen.
Quelle: IAB-Kurzbericht 12/2017